Lewis Kaine band sich im Badezimmerspiegel des Chicago Hotels die Krawatte und betrachtete das Gesicht, das einst Angst in die Herzen von Kredithai-Eintreibern und rivalisierenden Familiensoldaten gesetzt hatte. Fünfzehn Jahre legitimes Geschäft hatten die harten Kanten abgeschliffen, aber die stahlgrauen Augen waren unverändert geblieben: berechnend, wachsam, gefährlich, wenn es nötig war. Mit fünfundvierzig betrieb Lewis drei erfolgreiche Autowerkstätten im Süden der Stadt. Seine Hände, die einst Knochen gebrochen und Botschaften überbracht hatten, diagnostizierten nun Motorprobleme und führten die Bücher.

Der Wandel war nicht einfach gewesen. Nach der Geburt seiner Tochter Emma vor zwanzig Jahren hatte Lewis eine Wahl getroffen, die nur wenige in seiner Position überlebten: Er verließ die Familie Torino. Vincent Torino selbst hatte Lewis den Segen gegeben, teils aus Respekt vor dessen unerschütterlicher Loyalität, teils weil Lewis genug Geheimnisse kannte, um die halbe Organisation zu Fall zu bringen.
„Du hast dir deine Freiheit verdient, Lewis